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Langsam ändert sich das Landschaftsbild. Die Fahrt der letzten vier Stunden war sehr eintönig. Zumeist Flachland, manchmal eine wenig hügelig. Rechts und links nichts als Maisfelder aus denen hohe Windkraftanlagen und Stromleitungen in den Himmel ragen, soweit das Auge reicht. Einzige Abwechselung sind die regelmäßig auftauchenden Biogasanlagen und Grundwasser Pumpanlagen zur Förderung der benötigten gewaltigen Wassermengen für das Wachstum der Biomasse.
Wenigstens brauchen wir heute keine lästigen Atemschutzmasken und Schutzanzüge mehr, wie noch bei unserer letzten Durchquerung vor ein paar Jahren. Die giftige Atmosphäre dieser Gegend aus Pestiziden und Co. zum Schutz der gigantischen Monokulturplantagen ist zugunsten genveränderter Pflanzen gewichen, die Allem trotzen und Niemanden mehr nähren. Man hat uns vor der Abfahrt versichert, dass die verbleibenden Herbizidausdünstungen nicht gesundheitsschädlich sind, wenn wir uns an das vorgegebene Zeitkontingent halten.
Vor uns ragt nun die die erste Gebirgskette von mehreren auf unserem weiteren Weg auf, das heißt, was davon übrig ist. An den südwärts gewandten Hanglagen glänzen, erstarrten Eisbergen gleich, die zahllosen Keramikflächen von Solaranlagen. Dazwischen und an den anderen Bergflanken überall zu Tal stürzende Rohrsysteme. Die Bergrücken und Kuppen sind abgetragen, die entstandenen Hochplateauflächen in große Pumpwasserspeicher verwandelt und mit Batterien hunderter Windkraftanlagen bestückt. Die Täler sind umfunktioniert in entsprechende Wasserauffangbecken. Wie gigantische U-Boote, welche mittels hunderter Propeller in die Lüfte steigen wollen, ragen nun für die nächsten Stunden immer wieder Ketten solcher kahlen Tafelbergreihen in den Himmel. Verwoben durch eine dichtes Geflecht aus Überlandleitungen.
Nach knapp tausend Fahrkilometern erreichen wir endlich wieder bewohntes Gebiet. Balsam für die Ohren, Augen und das Gemüt. Lachen von Menschen, Vogelgezwitscher, natürliche Landschaften. Leben schlechthin löst die beklemmende Stille und Einsamkeit der hinter uns liegenden Tagesreise durch eine tote, lebensfeindliche Gegend ab.
Wir haben es ohne Schäden und besondere Vorkommnisse geschafft, das dreihundertsechzigtausend Quadratkilometer große Ehrgeizprojekt im Herzen der Europäischen Union zu durchqueren. Produkt einer Hysterie, der eine ganze Kultur einst blühender Landschaften, artenreicher Tierwelt und achtzig Millionen Menschen zum Verhängnis geworden ist. (Hygo B.Behrens, 2010)
Über die inzwischen mehr als 21.000 in Deutschland installierten Windkraftwerke weiß man eines sicher:
Sie erzeugen nur rund 2% des Gesamtenergieverbrauchs in unserem
Land. Nachzulesen beim Bundesumweltministerium:
www.bmu.de ...
.
Sie zerstören dafür großflächig Kulturlandschaften, Lebensräume, Gesundheit und Vermögenswerte von inzwischen unzähligen Menschen.
Kritik am Deutschen Windmühlenwahn (doomsdayers and rent seekers !) der international sowohl als unökonomisch als auch als unökologisch eingestuft wird, kann man u.a. hier lesen: Financial Post: Wind power is a complete disaster
Biogasanlagen sind nur dort eine sinnvolle Investition, wo aus lokalen
Bioabfällen Gas zur Direktversorgung oder Verstromung vor Ort erzeugt werden
kann.
Anlagen, wofür großflächig Nutzpflanzen angebaut werden müssen, sind weder
umweltverträglich noch klimaneutral. Im Gegenteil, sie weisen eine negative
Ökobilanz auf, sind letztendlich doppelt so klimaschädlich, wie fossile
Brennstoffe.
Dieselbe negative Ökobilanz ist auch für so genannten Biodiesel und -sprit nachgewiesen.
"Sag mir wo du stehst"
ist ein bekannter Titel aus dem politischen Liedgut der ehemaligen DDR.
Wo die Prignitz heute steht, lässt sich in aller Deutlichkeit im (am 15.
Mai 2009 in Kraft getretenen) Landesentwicklungsplan ablesen. Das
Augenmerk richtet sich für die Zukunft auf die Entwicklung des Berliner
Umlandes. Aussterbenden Randregionen, wie der Prignitz, garantiert man
letztendlich nur noch eine existenzielle Grundversorgung der
verbleibenden Bevölkerung. Nachzulesen bei
http://gl.berlin-brandenburg.de/landesentwicklungsplanung/lepbb.html
Wer diese Entwicklung aufhalten oder gar umkehren will, wird sich gegen eine Zerstörung der Landschaft auflehnen und gleichzeitig aufzeigen und vorleben müssen, wie (er)lebenswert die Prignitz ist. Ein breit gefächertes kulturelles Angebot gehört dazu.
© hygoBB Juni 2011

Dazu eine kommentierte Zusammenfassung
... >> PDF-Datei lesen
DER SPIEGEL (10/2010):
VGL(April 2010):
